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Einstellen auf den Klimawandel

19.07.2021

Expertentreffen beim Informationstag Wasser in Einhausen

Extremwetter mit Trockenjahren, Hitzesommern, massiven Regenfällen und Überschwemmungen – der Eindruck, dass der Klimawandel bereits bei uns angekommen ist, erhärtet sich. Welche Auswirkungen haben diese dramatischen Veränderungen auf die Wasserwirtschaft? Wie kann unter den sich verändernden Rahmenbedingungen eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser gewährleistet werden? Fragen, die Vertreter der Wasserwirtschaft aus Hessen und Rheinland-Pfalz beim Wasserinformationstag in Einhausen diskutiert haben.

Auf Einladung von Ingo Bettels, Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbandes Riedgruppe Ost organisierten der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und der Landesverband Energie- und Wasserwirtschaft (LDEW) Hessen und Rheinland-Pfalz den mittlerweile sechsten Informationstag Wasser mit Vorträgen und Diskussionen an der hessischen Bergstraße. Coronabedingt fand die Veranstaltung der beiden Branchenverbände in hybrider Form statt, in der Einhäuser Mehrzweckhalle in Präsenz mit Hygienekonzept, daneben bestand die Möglichkeit der Online-Teilnahme, die auch vielfach genutzt wurde.

Der Vorsitzende der DVGW-Landesgruppe Hessen Jörg Höhler und Ronald Roepke, wasserpolitischer Sprecher des LDEW, erläuterten die stetig steigenden Anforderungen der Wasserversorger, das Lebensmittel Nummer 1 in gewohnt bester Qualität und jederzeit verfügbar zu den Kundinnen und Kunden zu bringen.

Zentrale Forderungen der Wasserversorger sind in Zeiten der zunehmenden Nutzungskonkurrenzen um die Wasserressourcen der Vorrang der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser vor anderen Nutzungen, sowie das Verursacherprinzip bei den Kosten, die durch Verschmutzungen unterschiedlichster Einträger entstehen. Regional werden sich unterschiedlichste Auswirkungen des Klimawandels zeigen, auf die mit regionalen Konzepten Antworten gefunden werden müssen, so die Teilnehmer übereinstimmend.

Prof. Dr. Michael Reinhardt, Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches Wasserwirtschaftsrecht an der Uni Trier erläuterte, wie der gesetzliche Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung in der Praxis umzusetzen ist, in der anschließenden Podiumsdiskussion wurden Strategien und Instrumente zur Bewältigung des Klimawandels mit Jürgen Stein vom Klima- und Umweltministerium in Mainz, Dr. Bernd Leßmann vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, sowie Dr. Daniel Petry, vom DVGW in Bonn diskutiert.

Petry verwies auf das breit angelegte „Zukunftsprogramm Wasser“ des DVGW hin, das unter anderem zum Ziel hat, Hotspots einer möglichen Wasserknappheit zu eruieren, um durch den frühzeitigen Ausbau von Verbundsystemen Versorgungsengpässe zu vermeiden.

Auf Ebene der hessischen Landespolitik werden nach den Worten von Bernd Leßmann Handlungsoptionen in einer rationelleren Wasserverwendung, etwa durch die Mobilisierung von Einsparpotenzialen und die Nutzung alternativer Wasserressourcen sowie im Ausbau der Infrastruktur, beispielsweise durch den Aus- und Neubau von Speicherkapazitäten, in einer künstlichen Grundwasseranreicherung bis hin zur Brauchwassernutzung gesehen.

Weitere aktuelle Themen des Tages waren die Möglichkeiten der Digitalisierung für Wasserversorger zu nutzen sowie das topaktuelle Thema der Notfallvorsorge, das nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie und Extremwetterereignissen ins Blickfeld gerückt ist.

Der LDEW vertritt die Interessen von rund 270 Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft in Hessen und Rheinland-Pfalz gegenüber Politik, Behörden und der Öffentlichkeit. Er vereinigt die Sparten Strom und Fernwärme, Erdgas, Wasser und Abwasser. Er arbeitet mit dem Bundesverband BDEW in Berlin eng zusammen und engagiert sich insbesondere auch für die Belange der kleinen und mittleren Unternehmen. Damit ist der LDEW Bindeglied zwischen Energie- und Wasserwirtschaft sowie Politik und Gesellschaft.

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) ist anerkannter Regelsetzer für die Gas- und Wasserwirtschaft, technisch-wissenschaftlicher Know-How-Träger sowie Initiator und Förderer von branchenbezogenen Forschungsvorhaben und Innovationen. Der im Jahr 1859 gegründete Verein hat rund 14.000 Mitglieder. Auf lokaler Ebene agiert der DVGW über seine Bezirksgruppen, auf überregionaler Ebene sind die Landesgruppen erster Ansprechpartner für die Mitglieder.

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Diskussion: Aktuelle Fragen wurden beim Informationstag Wasser in Einhausen behandelt. Bild (v.l.) Dr. Bernd Leßmann vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Ingo Bettels, Verbandsdirektor vom Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe Ost und Dr. Daniel Petry (DVGW).

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WBVRO-Verbandsdirektor Ingo Bettels begrüßt die Gäste.